Samstag, 19. Juni 2010

Gründungshemmschuh Patentverwertungsagenturen

Die Ausgangsidee war nachvollziehbar: Es kann nicht nur auf Halde oder zur Befriedigung eines Professorenegos  geforscht werden, sondern Forschungsergebnisse muessen auch in die wirtschaftliche Verwertung ueberfuehrt werden.
Wenn schon der Steuerzahler Forschung finanziert, muss er auch eine Rendite erwarten koennen, z. B. durch wettbewerbsfaehige Wirtschaft und neue Arbeitsplaetze.
Technologietransfer nennt man das.
Da so etwas kein Selbstlaeufer ist, liess sich die Regierung etwas einfallen, um hier etwas in Bewegung zu setzen.
Zunaechst wurde ein neues Hochschulerfindergesetz - Modifiziertes ArbnErfG fuer Hochschulen verabschiedet. Alle Erfindungen der Hochschulangehoerigen muessen der Hochschule zur Verwertung vorgelegt werden. Der Hochschule gehoeren damit die Erfindungen, und sie soll sie versilbern, hat jedoch nicht die dazu erforderlichen Kapazitaeten.
Damit sich das Hochschulerfindergesetz umsetzenlaesst, bessert der Staat nach und schreibt eine Foerderung von Patentverwertungsagenturen aus - die Patentverwertungsinitiative, hier die Förderrichtlinie zur Fortführung der Verwertungsoffensive, ergaenzt durch Strategiefoerderungen.
Das heisst, es wurden Strukturen ausserhalb der Hochschulen errichtet, die den Technologietransfer, vorwiegend die Erfindungsverwertung, professionalisieren sollen - die Patentverwerungsagenturen, inzwischen zusammengeschlossen in der "Technologieallianz".

Wie laeuft das nun praktisch ab?
Mehrere Hochschulen, praktischerweise auch mit Landesbanken im Boot, gruenden eine Verwertungsagentur und sind auch deren Gesellschafter. Bevor nun genuegend Geld aus Patentverwertungen herein kommt, um sich als Agentur selbst finanzieren zu koennen, muss der Staat auch weiterhin unterstuetzen. Zusaetzlich betaetigen sich diese Agenturen noch auf anderen Feldern, um wenigsten paar Einnahmen zu generieren, denn Patentverwertung ist ein muehsames Geschaeft  und erfordert langjaehrige Vorfinanzierung.

Letztendlich werden die Gewinne aus Patentverkaeufen und Lizenzierungen so aufgeteilt, dass Agentur, Hochschule und Erfinder jeweils ein Drittel bekommen.
Die Verwertungsagenturen sind in der Regel als GmbH aufgestellt und muessen Gewinne erwirtschaften, um weiterhin existieren  und irgendwann auch wettbewerbsfaehig sein zu koennen.
Und genau an dieser Stelle beginnt das Dilemma fuer die von der Politik viel beschworenen Ausgruendungen aus Hochschulen. Patente sind ein wichtiger Unternehmenswert. Sie sind das entscheidende Zuenglein an der Waage in Gruendungsfinanzierungsverhandlungen und auch eine Sicherheit fuer Investoren.
Ausgruendungen von Studenten sind unter diesen Aspekten unproblematisch, denn ihre Erfindungen gehoeren ihnen selbst, da sie keine Uni-Angestellten sind. Macht man jedoch eine Erfindung als HiWi, gehoert die Erfindung der Hochschule und muss der Verwertungsagentur uebertragen werden. So sehen es die Vertaege mit den Agenturenvor.
Doch als Wissenschaftler , die ja am meisten als Ausgruender beworben werden, kann man froh sein, wenn man mit der Verwertungsagentur einen fuer die Gruendungsabsicht akzeptablen Lizenzvertrag aushandelt. Doch das Patent, auch wenn es die eigene Erfindung betrifft, gehoert dem Wissenschaftler nicht mehr, sondern der Agentur. Patent herauskaufen ist nicht mehr finanzierbar,also bleibt nur die Lizenz, was den Unternehmenswert in der Gruendung gegen Null treibt, auch die Investitionsbereitschft von VC.

Vielleicht faellt das alles noch nicht so sehr auf, da sich die VC generell aus der Gruendungsfinanzierung zurueckgezogen haben. Doch animieren kann man sie mit dem derzeitigen Verwertungsagentursystem auch nicht. Der einzige Fianzier fuer Wissenschaftsausgruendungen ist der mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung aufgelegte High Tech Gruenderfonds. Mit dem kann man "reden", denn er soll ja die Politik im Ausgruendungsbemuehen unterstuetzen, hat also eine staatliche Aufgabe zu erfuellen.
Doch schnell wachsende Technologieunternehmen benoetigen Co-Investoren und weitere Finanzierungsrunden, die ihnen durch das Verwertungsagentursystem verbaut werden koennen.
Dieses Problem hat die Politik noch nicht geloest, foerdert aber munter Ausgruendungsaktivitaeten weiter mit dem EXIST-Gruenderstipendium und EXIST-Forschungstransfer - ohne echte Startup-Finanzierungschancen.

So wird Deutschland sicher kein Gruenderland.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen